Schrift auf weissem Grund: CHAOS-INITIATIVE NEIN

Meine Tochter (7) möchte häufig wissen, um was es bei Abstimmungen geht. Sie und wahrscheinlich jedes Kind verstehen die Angst, dass es nicht genug für alle gibt. Und wissen Sie, was ihre Lösung ist?

Sölle doch einfach nur die Lüt cho, däne es by ihne nid guet goht, by däne Chrieg isch oder wo nid gnueg z’ässe hän.

Die Diskussion in den Medien ist aber mehrheitlich genau umgekehrt. Stattdessen geht es darum, dass man ja zwar schon keine Asylsuchenden will, dass sie aber nur einen Bruchteil der Einwanderung ausmachen und nicht so viel Ressourcen brauchen. Dass sich Einwanderung trotzdem lohnt, weil wir Leute brauchen für unsere Altersvorsorge, als Fachkräfte, um unsere Wirtschaft zu stützen, um die EU nicht zu verärgern (und damit wiederum unsere Wirtschaft zu schwächen).

Es ist ja schön, wenn es viele gute Gründe gibt, die Initiative abzulehnen. Und viele dieser Argumente sind überzeugend. Die Abstimmung ist aber dadurch auch wieder eine Plattform für diskriminierende und rassistische Diskussionen. Wieder wird von erwünschten und unerwünschten Einwanderern gesprochen, es tönt, als wären Arbeitskräfte erwünscht und wertvoll, Menschen nicht. Die Diskussion über globale Gerechtigkeit, über Verantwortung und über Menschlichkeit wird überdeckt von den Argumenten, von welchen man ausgeht, dass sie überzeugend ziehen: unserer Wirtschaft darf es nicht schlechter gehen, uns darf es nicht schlechter gehen. Man könnte sagen, egal wieso, hauptsache wir stimmen nein.

Schlussendlich ist es natürlich wichtig, dass wir abstimmen gehen. Aber es ist auch wichtig, wieso wir abstimmen. Welche Werte wir vertreten und wie wir über uns, die Menschen und unsere Gesellschaft nachdenken. Ich bin auch überzeugt davon: es geht uns besser, wenn es allen etwas besser geht. Aber es soll allen nicht nur besser gehen, damit es uns besser geht.

Sirin Hauri, Fraktionspräsidentin der Grünen Binningen im Einwohnerrat